Presse & Kritiken     "AHOI"
 

AhoiAhoi
Thorsten Klentze Quartett

1. >Zündkerze<: Auf so einen Titel muß man erst mal kommen. Der ist mindestens so schön wie John McLaughlins >Juju at the crossroads<, aber gaaanz anders. Denn Gitarrist Thorsten Klentze ist ein Querdenker, wie er bisher in keinem Buche steht, eine Art ent-domestizierte Monk auf sechs Saiten, der schon auf seinem 2001-er Album >Late< ahnen ließ, in welche Richtung das alles bei ihm gehen mußte. Seit 1998 war auch schon Roger Jannotta dabei, als Nachfolger von Charlie Mariano, der übrigens auf Klentzes >Tigrib< mitspielte und, zusammen mit Jannotta und Klentze auf >Mariano<. Jannotta ist ein Multibläser, Flötist, Klarinettist, Oboist und Saxophonist, und er ist so was wie des Gitarristen alter ego. Das >Late< Trio komplettierte Vibraphonist David Friedman, und da gab es Titel wie >Is Mingus online?<, diesen gleich in zwei Varianten, einmal schnell, einmal langsam. Und da gab es sie auch schon, diese eigentümlich fesselnde Freude an scheinbar naiv hingeflätzten harmonischen Querschlägern, Frisells Sphinx-hafte Tongue-in Cheek-Art, viel Humor, Frech- dachsereien en masse, scheinbar Bruder-Leichtfüßiges, Argloses, das sich anhörte wie so mir-nichts-dir-nichts durchs Pusterohr geblasene Erbsen mitten in einem mittelweichen Teppich, und das auf akustischer wie auch elektrischer Gitarre, auf denen Klentze sich da schon auswies als ein junger Meister der unerwarteten Wendung. Der Titelsong >Late< und dort die Solo-Gitarre, manchmal zwischen Satie und Mingus pendelnd, voller Heidenspaß an der blitzgescheiten Provokation, der scheinbar kruden Karikatur des Kon- ventionellen, besonders in >Engelsfeder auf Teer und Teufel< und in der Solo-Gitarren-Intro zu >Soon<, das war Programm und Präludium, das waren alles Vor-Echos auf die neue Tat, die nun >Ahoi< heißt, ahoi halt, logisch, völlig klar, >Ahoi> eben. Und nun sind sie im Quartett, Klentze, Jannotta, dann Marika Falk an einer ganzen Armada von Percussion-Exotika und Jost H. Hecker am akustischen und elektrischen Cello. Und das kann man sich besonders schön in >Call it a day< anhören, aber auch in der eingangs erwähnten, übrigens einem erbaulichen Zyklus namens >Rund ums Auto< entstammenden >Zündkerze<, in der sich die Percussion erst auf unwider- stehliche, suggestive, mitreißend federnde Weise zur Super-Rhythmusgruppe vereinigt, bevor das Stück ausbricht und sich bis dicht an den Kraterrand zur Kollektivimprovisation wagt, mit der die Gruppe dann in >Kanon-1<, Bravourstück für Jannotta, noch weit kompromißloser flirtet. Was Thorsten angeht: Ob junger Wilder oder junger Naiver, Humorist des neuen Jazz oder Satiriker desselben - so oder so hat er´s faustdick hinter den Ohren. Er poussiert gern mit dem Risiko, liebt und beherrscht all das, was - immer nur anscheinend, daneben oder schräg klingt. Er ist ein Fuchs, ein raffinierter Hund, der musikalisch den Keith Haring vorgaukelt, der eigentlich so was wie ein Otto Dix ist.
Alexander Schmitz.

2. Thorsten Klentzes Quartett hat, so viel ist klar, einen eigenen Sound gefunden. Zu Klentzes akustischer Gitarre und Roger Jannottas erweitertem Holzbblasinstrumentarium kommen Jost H. Heckers Cello und Marika Falks Perkussion. Das gerät manchmal in Gefahr, etwas musikpädagogisch daherzukommen, ist aber in den meisten Fällen äußerst unterhaltsam. Das Ensemble lebt vom wachen Geist seiner Mitglieder, die stets den Gruppensound vor einzelne Soloflüge stellen. Das es sie trotzdem gibt, der Leader mit eigenwilligen Gitarrenlinien, Jannottas perfekt gegossenen Töne und Heckers originelles Cello, schadet aber auch nicht. So wird Wahrheit, was das Plattencover suggeriert: Ein südländischer Charme, gebrochen durch die Schwere des nördlichen Winters. Der Traum vom Paradies, wie er unter der Markise eines Straßencafes verhallt. Sr.

3. Als Joe Kienemann die Band um den Gitarristen Thorsten Klentze für einen Live-Mitschnitt ins Studio des BR eingeladen hat, waren vier fabelhafte Multi-Instrumentalisten für Neues inspiriert Das virtuose und vor musikantischer Spielfreude sprühende kleine Meisterwerk >Ahoi< entstand. Die überaus reiche Instrumentation suggeriert ein viel größeres Ensemble als die tatsächlich vor-handene Quartett-Besetzung. Roger Jannotta spielt Flöte, Oboe, Baßklarinette und Saxophon und Jost H. Hecker elektrisches und akustisch schwelgendes Cello. Marika Falk schöpft für eine überaus leichtfüßige, variantenreiche Rhythmik aus einem großen Fundus an Perkussionsinstrumenten. Wie einst bei Can klingt die heiser verzerrte Gitarre beim fröhlich rockenden Auftaktstück, bevor es mit sanft wiegendem Bossa Nova kunstvoll weitergeht.
Stefan Pieper.

4.Was lange währt, wird endlich gut. Seit 1994 arbeitet der Gilchinger Gitarrist Thorsten Klentze mit seinen Kollegen Marika Falk, Percussionistin der Gruppe NuNu und Jost Hecker, Cellist im Modern String Quartet, zusammen. Multi-Instrumentalist Roger Jannotta ist seit vier Jahren dabei. Der lange Vorlauf für die CD >Ahoi< , die die vier am Donnerstag, 27. Februar, um 21 Uhr in der Unterfahrt vorstellten, hat sich gelohnt. Vor Klentze Blues mit dem Titel >Zündkerze<, untermalt von Falks klangvollen Ball-Gongs, bis zu Jannottas Theatermusik zur Faust Inszenierung der Münchener Kammerspiele reicht die Palette. Heckers Hit >Bremsflüssigkeit< macht den Zyklus >Rund ums Auto<, der sich auch unterwegs, außerhalb der Szeneclubs gut hören läßt, perfekt. Dabei ist dieses Quartett von jeglicher populistischer Seichtheit entfernt. Umar.top

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