Konzert Kritik     "Zeitung Wasserburg"
 


Betörende Jazz-Märchen

Thorstens Klentzes -Fisherman‚ s Break- im Wasserburger Belacqua
Jazzabende sind in der Regel etwas zur Hebung des Adrenalinspiegels. Wenn man im engen, dunklen Keller dem Sound ausgesetzt ist, mögen sie sogar aufpeitschend wirken.War man Zeuge einer Premiere der neu formierten Kombo >Fisherman´s Break< im Wasserburger Belacqua, so blieb die Musik stattdessen als Ereignis großer Ernsthaftigkeit nachhaltig im Gedächtnis und man verließ innerlich bewegt die Szene.
Thorsten Klentze, Gitarre, Martin Zenker, Bass, Rick Hollander, Schlagzeug, Mathias Engl, Trompete und Wolfgang Wahl, Tenorsaxophon, das ergab insgesamt eine originelle Instrumentenkonstellation.
Aber die Spieler mußten sich erst aneinander gewöhnen, und die Spannung, die daraus erwuchs, übertrug sich auch auf den Zuhörer, der gebannt war bis zum Schluß. Eine Intensität und Wachheit ohnegleichen war dem Spiel anzumerken. Aber daß dies alles noch dazu im wahrsten Sinne schön wurde, überraschte doch.
Was man hier hörte, war ganz neuer, eigenständiger Jazz, konnte auf nostalgische Reminiszenzen verzichten und hatte es nicht nötig, Latin- oder an Rock oder Pop orientierte Moden zu übernehmen. Heiß ging es trotzdem bisweilen zu, aber letztlich durchzog großer Atem, ja, Lyrik das Spiel >Lyrical modern Jazz< war ohnehin das Motto.
Der Initiator der Band, Thorsten Klentze, hatte fast alles selbst geschrieben. Seine Tunes entpuppten sich als oft betörend interessante Märchen. Sie waren das Herz der Stücke, und die Chorusse der Solisten verfielen nicht in konventionelles Gehabe, weil sie sich ganz an diesen Einfällen des Komponisten orientieren konnten.
Klar und deutlich, immer edel auch im Verstärkersound spielte der Gitarrist, Melos und Harmonie verschmolzen in eins. Die Mitspieler und auch die Zuhörer wußten, was gemeint war.
Mathias Engls Trompetenton schien ganz im lyrischen Element angekommen zu sein. Seine Ausflüge in freiem Rhythmus und Harmonie durchzog stets ein großer Bogen. Berückend war sein Flügelhornsolo in Wheelers >Gentle Piece<, wie überhaupt sein Instrument meist als fesselnder Melodieträger der Band fungierte.
Elektrisiert von seinen Solis reagierte der Schlagzeuger. Der gab sich den Chorussen aller Solisten in großer Einfühlung hin und entwickelte dabei eine ungemein reiche Palette an Klangvarianten. In dieser Kombination aus Saiten- und Blasinstrumenten spielte er eine traumhaft und alle in Bann haltende Schlüsselrolle.
Der Saxophonist Wolfgang Wahl steigerte sich konstant bis zum Ende des Abends. Der Zuhörer fand sich überrascht von seinen Ausbrüchen in Coltrane-Genre und den humorvollen Ideen, mit denen er seine Chorusse schmückte.
Von der Konstanz im Spiel des Bassisten Martin Zenker lebte die Band. Seine Solis ließen den Saal vibrieren, die Gitarre übernahm dabei in selbstverständlicher Zwiesprache den rhythmischen Faden.
Waren das alles Einzelleistungen allein? Im Zusammenspiel lebte jede Nummer vom Wechsel von Bewegung und Ruhe. So spielten Profis, die sich auf die Stra-
tegie verstehen, wie man musikalische Botschaft an den Zuhörer bringt. Ungewöhnlich war in diesem Zusammenhang, wie der Bassist Wheelers Stück mit einem freien Solo einleitete, bis der Rhythmus stand und das ganze tief lyrische Opus wie eine stetige Quelle durchzog.
tve

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