Konzert Kritik     "Süddeutsche Zeitung"
 

Kritik der Süddeutsche Zeitung 2004
Im Geiste von Charles Mingus

Thorsten Klentze und Roger Jannotta zu Gast beim Jazz-Stammtisch in Feldafing.

„ Is Mingus online? “ hieß nicht nur der erste Titel, den Thorsten Klentze und Roger Jannotta in der Sisi-Bar des Hotels „ Kaiserin Elisabeth “ intonierten, sondern war auch Thema und irgendwie eine Frage, die am Freitagabend im dichtbesetzten Barraum schwebte. Denn der Gilchinger Jazzgitarrist Klentze und der aus New Mexiko stammende in Neuaubing lebende Saxophonist Jannotta widmeten ihren Live-Auftritt, zu dem der Feldafinger Verein „Jazz am See„ anlässlich seines zweiten Jazz-Stammtischs geladen hatte, dem vor 25 Jahren gestorbenen amerikanischen Jazzkomponisten Charles Mingus. Neben eigenen Kompositionen interpretierten die beiden seit sieben Jahren eng befreundeten Jazzmusiker dann auch ausschließlich Mingus-Titel.. Und lieferten dazu eine wahrhaft mysteriöse Geschichte: So reiste der schwerkranke Mingus noch kurz vor seinem Tod nach Mexiko zu einer Wunderheilerin, doch seine Hoffnung auf Hilfe war vergebens. Am 5. Januar 1979 starb Mingus im Alter von 56 Jahren in Mexiko. Am selben Tag strandeten und starben an der mexikanischen Küste auch genau 56 Wale.
Den Geist des Jazzkomponisten ließ das Duo mit ihren überaus gefühlvollen Interpretationen von Mingus-Klassikern wie „Portrait“, der Ballade „Eclipse“ oder den Titel, der ihn weltberühmt machte, „Goodbye Pork Pie Hat“ – Joni Mitchell hat hierzu den Text geliefert - wieder aufleben.
Bei entspannter Stimmung, Kerzenlicht und loderndem Kaminfeuer ließen sich die Stammtischler von harmonischen Jazz und Blues begeistern. Besonders auch in den Eigenkompositionen der Musiker, wie Klentzes „Tune for Roger“ ein Titel, den er seinem Freund und Kollegen Jannotta einmal zum Geburtstag schenkte, dem schönem und seinem Sohn gewidmeten „Bela“ oder „Zephir“ – benannt nach dem sanften Wüstenwind -, wird seine Sensibilität im Umgang mit den Blue Notes offenbar: Es sind sensible Klangbilder voller Seele und Sentiment, die Klentze und Jannotta, immer abwechselnd in der melodischen Führung, entstehen lassen, und trotzdem sind diese prall gefüllt mit Dynamik und vorantreibenden Blues.
Jannotta, der gleich mit vier Instrumenten aufwartete, neben Querflöte, Saxophon, Oboe kam auch die Bassklarinette zum Einsatz, steuerte „Five o´clock“ und das lyrische „Soon“ bei, das letzte Stück hatte der vielseitige Instrumentalist für den „Faust“-Zyklus der Münchener Kammerspiele komponiert.
Ein gelungener, lockerer Jazz-Abend mit zwei ausgezeichneten Musikern. Die Frage, ob Mingus online ist , blieb allerdings offen. NICOLA SEIPP

 

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