Konzert Kritik     "Süddeutsche Zeitung"
 
Experiment geglückt.
Klentze Quartett

Jazz ist, wenn es trotzdem klappt. Es war ein Kaleidoskop der Gegensätze, die Gitarrist Thorsten Klentze im kleinen Saal der Germeringer Stadthalle zusammenführte. Da kontrastierte alt mit jung, Strenge mit Verspieltheit, Tradition mit Moderne, Kopf mit Bauch. Und weil Thorsten Klentze zu alledem die amerikanischen Saxophonisten Charlie Mariano und Roger Jannotta eingeladen hat, war er als Arrangeur doppelt gefordert.
Berühmte Gast-Solisten führen im Jazz nicht selten zu huldvoller Verneigung. Nicht so bei diesem Quartett. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Suche nach dem gemeinsamen Groove war es vor allem das Feuer des Münchner Cellisten Jost Hecker, der das Konzert zu einer vielschichtigen Stimmungsmelange melodischer Vielfalt machte. Charlie Marianos lyrisch sanfter und ekstatisch jubilierender Altsaxophon-Ton konnte sich auf den weich gezogenen Linien und tonalen Kalligraphien seines Saxophonkollegen Roger Jannotta in seiner ganzen Verspieltheit entfalten. Mit der Vornehmheit englischer Gentlemen wurden die Tonarten und Einsätze zwischen den Alten hin- und hergereicht und blieben eigenständigen Ausdrucks der drei jungen deutschen Kollegen.
Gitarrist Thorsten Klentze beherrschte die ganze Breite der akustischen Jazzgitarre. Ließ zwingende Joe Pass-Passagen ebenso einfließen wie das folkloristische Feuer des Flamenco oder die lyrische Zurückhaltung der klassischen Schule.
Schlagwerkerin Marika Falk brachte mit zurückhaltend perkussiven Spiel auf arabischen Dombaks, afrikanischen Talking Drums und karibischen Cachons die weite Welt in die Vorstadt-Halle.
Die Rolle des Bassisten füllt der Cellist Jost Hecker mit Bravour, als Mitglied des Modern String Quartetts geübter Grenzgänger zwischen improvisatorischer Ausgelassenheit und formaler Strenge. Denn er verband die Einzelgänger nicht nur durch seine pointierten Basslinien. Seine Solos, in denen er mit verblüffender Dynamik die klangliche Vielfalt seines Instruments demonstrierte, wirkten für das Quartett wie Vitaminspritzen und eröffneten immer wieder Spiralen improvisatorischer Spielfreude. Eine Produktion, von der die Jungen wie die Alten profitierten.
Die positive Bilanz des musikalischen Experiments nicht ohne Risiko will das Thorsten Klentze Quartett, diesmal ohne Mariano aber mit Janotta am Sax, am Donnerstag in der Unterfahrt wiederholen.

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