Konzert Kritik     "Süddeutsche Zeitung"
 
Jazz der europäischen Art.

Charlie Mariano und das Thorsten- Klentze-Trio im Amadeussaal

Thorsten Klentze befindet sich auf Spurensuche. Weitschweifig und nicht selten mit einem Hang zur Präsentation stöbert er entlang der Stile. Er nutzt Klassik und östliche Rhythmen, Improvisation und streng kompositorische Maßstäbe. So entstehen instrumentale Miniaturen als Ergebnis unkonventioneller Konzepte.
Doch anstatt eines multikulturellen Unternehmens, wie die Besetzungsliste seines Konzerts am Freitag in der Germeringer Stadthalle vermuten ließ, manifestierte sich ein eher geschlossen assoziativer Gedanke: Das europäische Prinzip, geprägt durch Vielschichtigkeit in der Auswahl transzendenter Themen und deren klangästhetischer Umsetzung, bedeutet musikalische Eigenständigkeit und künstlerische Selbstbefreiung.
Schon vor fünf Jahren hat der junge Gitarrist die CD >Tigrib<, die jetzt erst veröffentlich wurde, in fast adäquater Besetzung eingespielt. Ein Großteill des Programms hatte seinen Ursprung in eben diesem Album. Eine musikalische Übung in stiller Unaufdringlichkeit, die mit neuen Kompositionen eine feinsinnige Fortsetzung erfuhr.
Doch Charlie Mariano, Altssaxophon, Roger Jannotta, Saxophon, Flöten, Baßklarinette, Oboe, Jost Hecker, Cello, Marika Falk, Dombac, Cachon, Talking Drum und Klentze brauchten einige Titel, um zu einer gemeinsamen Sprache zu finden. Vielleicht lag es daran, dass Mariano erst in den Mittagsstunden in Germering eintraf und für die Einstimmung und Absprache mit seinen Kollegen nur wenig Zeit zur Verfügung stand. Vielleicht war es auch der für einen intimen musikalischen Gedankenaustausch nicht sehr geeignete und akustisch nur schwer aussteuerbare Amadeussaal, der die subtile Interaktion hemmte.

Beinahe Sakral
Farbe bekam der Auftritt jedenfalls erst mit der Mariano-Komposition >Pink Lady<, Mitte des ersten Sets. Pastellene Klangtupfer in lyrischer Intention, kontrastreich und atmosphärisch zugleich. Kaum ein anderer Saxophonist ist wie Mariano in der Lage, die Gefühlsmomente dieser Welt in derart melancholische Töne zu gießen. Beinahe sakral und von beeindruckender Schönheit waren seine solistischen Wanderungen, eine anmutige Verbeugung vor der Ewigkeit.
Auch Klentze verbeugte sich gleich mehrfach. In den Kompositionen >A Real Love Affair< vor seinem hörbaren Vorbild Philip Catherine, dem belgischen Gitarren-Akrobaten und langjährigem Weg-Gefährten Marianos und im >Hall Blues< von Jim Hall, dem aus Buffalo stammenden Saitenmagier und Dozenten.
Klentze wirkte entspannt, sorgte für Übersicht und Klarheit im Ablauf der meist eigenen Kompositionen und füllte seine solistischen Räume mit einfallsreichen melodischen Kürzeln.
Roger Jannotta, der Multiinstrumentalist, war ein Meister subtiler Klangfarben, der mit seinen Motiven die Songs um eine individuelle, impressionistische Note bereicherte. Jost Hecker zupfte und strich das Cello in moderner klassischen Maniriertheit, mal eruptiv mitteilsam, mal zärtlich untermalend.
Marika Falk trommelte Figuren, die in ihrer rhythmischen Grenzenlosigkeit gefielen und in tänzerischer Leichtigkeit das Tempo angaben. Ihre Exkurse waren Perkussionskunst auf allerhöchstem Niveau.
Insgesamt fünf Musiker, die ihre unterschiedlichen Erfahrungshorizonte gebündelt in den Dienst einer gemeinsamen Sache stellen und ein unumstößlicher Beweis für musikalische Intelligenz und emotionale Inspiration.
Jörg Konrad.

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