Konzert Kritik zur Tour 2005    "Zeitungen"
 
Welt am Sonntag, Art. vom 22.3.2005

Der ganze Gram des Lebens in einem kleinen Lied.
Kein Halskratzen, keine brennenden Augen, und selbst Musiker im hinteren Drittel der Bühne sind scharf zu erkennen: Sogar notorischste Jazz-clubverqualmer fügen sich am Sonntag dem freundlichen Aufruf der Fabrik nach Mäßigung. Und erfreuen sich daran, wie sich die Herren Thorsten Klentze Quintett, featuring Charlie Mariano, reihum gegenseitig auf die Komponistenschulter klopfen. Marianos hauchgeblasenes „Three Leaves“ versandet zwar in eigener Nachdenklichkeit, doch bei Jost Heckers funk-rumpelnden, aus einem endlos-enervierenden, zitternden Celloton geschlüpften „Don´t Love It“ darf der eigentlich für seinen eher singenden Sound geliebte Mariano so garstig aufspielen, als hätte er sich allen Gram seiner 82 Jahre für diesen Moment aufgespart. Höchst agil auch einige ältere Damen inmitten der 130 Anwesenden.. Bewaffnet mit Kleinbildkameras aus dem Präambrium der Autofocustechnik huschen sie zwischen Bühne und Sitz hin und her. Den ganzen Abend lang. Mitunter verrenkten sie sich beim Versuch, Musiker hinter Notenpulten hervorzufotografieren. Das Thorsten Klentze Quintett lieferten sicherlich nicht das bestbesuchte Jazzkonzert der Saison. Aber möglicherweise das meistfotografierte. MGB.

Westfälischer Anzeiger 21.3.2005

Eine Hommage an den Altmeister des Saxophons.
Jazz-Legende Charlie Mariano bescherte dem Jazzclub mit dem Thorsten-.Klentze-Quartett ein besonderes Konzerterlebnis. Der 81.-jährige Amerikaner begann seine Karriere unter Charlie Parker. – Harmonische Mixtur verschiedener Stilrichtungen.
WERNE - Das Thorsten-Klentze-Quartett gestaltete am Samstagabend seinen Auftritt mit dem Saxophonisten Charlie Mariano zu einer persönliche Hommage an den 81-jährigen Amerikaner. Beim Gastspiel im Alten Rathaus spielten sie nicht nur Eigenkompositionen von Mariano, wie „Sleep My Love“, oder „Three Leaves “. Auf dem Programm standen auch ein Song von Klentze, den er seinem Idol gewidmet hat „Mariano“ sowie ein Stück, das sich auf eine gemeinsame Anekdote bezieht: „Don´t Be So Stingy“ = Sei nicht so geizig. „Bei einem Konzert konnte Charlie meine Akkordsymbole nicht lesen,“ erklärte Klentze den rund 60 Zuhörern beim Jazzclub. Darauf habe Mariano zu ihm gesagt: „Schreib demnächst größer, sei nicht so geizig.“
Klentze ist seit den 70-er Jahren ein großer Fan von Mariano. Der aus Boston stammende Charlie Mariano ist eine alte Größe in der internationalen Jazz-Szene. Er begann seine Musikkarriere unter Charlie Parker, dem Vater des Bebop. Dessen Einflüsse zeigten sich bei Marianos Improvisationen in abgehakten Melodiefetzen und schnellen, einfallsreichen Läufen mit rasanten Tonsprüngen.
Daneben brachte Mariano aber auch Soli mit sehr sparsam und gezielt eingesetzten Tönen. Dabei ließ er seine Spielweise nie über ein Stück dominieren Ob lyrisch oder fetzig – immer nahm Mariano die individuellen Stimmungen auf. Mit Roger Jannotta, dem Saxophonisten des Klentze- Quartetts, ergänzte er sich harmonisch. Seinen charakteristeschen Sound verlieh dem Quartett der Rhythmusgruppe Thorsten Klentze an der Gitarre und Jost-H. Hecker am Cello, das er wie einen Bass zupfte, eine besondere Note Das Schlagzeug spielte Sascha Gutowtschikow.
In ihren Stücken verarbeiteten die Musiker unterschiedliche Stilrichtungen. Die Komposition „ Präludium “ mischte ein klassisches Thema von Johann Sebastian Bach mit Jazz-Elementen. In seiner Eigenkomposition „ Mariano“ experimentierte Klentze mit unterschiedlichen Betonungen eines Zwölf-Achtel-Rhythmus. Hier bewies Gutowtschikow seine Vielseitigkeit mit raffinierten Wechseln in Dynamik und Tempo am Cajon, einem lateinamerikanischen Instrument.
Das Klentze-Quartett spielte auch Kompositionen von Jost H. Hecker und Roger Jannotta, Hecker, Gründungsmitglied des Modern String Quartett, nahm bei seinen Musikdichtungen ebenfalls Anleihen bei klassischer Musik.. Sehr groovig waren dagegen seine Stücke „ Zündkerze “ und „ Bremsflüssigkeit “ aus dem Zyklus „ Rund um`s Auto “. asz.

Ruhr Nachrichten , 22.3.2005-05

Im Jazztakt erklang: Zyklus rund um`s Auto.
Konzert mit Saxophonlegende Charlie Mariano

Werne: Eine Veranstaltung mit Tradition ist das Konzert mit dem Thorsten Klentze-Quartett und der legendären Saxophonlegende Charlie Mariano, das auch wieder am Samstag viele Jazzfreunde im Bürgersaal des Alten Rathauses begeisterte.
Der von Charlie Mariano begeisterte Thorsten Klentze ist bekannt dafür, die vielfältigen Einflüsse zu einer überzeugenden und eigenständigen Tonsprache zu verbinden. Das ungewöhnliche Quartett besteht aus dem Multi-Instrumentalisten und Komponisten Roger Jannotta aus den USA - Faust, König Lear und der Sturm -; Cellist Jost H. Hecker ist unter anderem Begleitmusiker von Mercedes Sosa und Konstantin Wecker, aber auch langjähriges Mitglied des Modern String Quartet und Percussionist Sascha Gotowtschikow ist hier in Europa mit Klaus Doldinger und Barbara Dennerlein zu hören.
Begonnen und geendet hat das Konzert mit Stücken „Zündkerze“ und „Bremsflüssigkeit“ aus dem Zyklus: „ Rund um´s Auto“. Das erste Stück wurde seinem Namen vollends gerecht und hat bei allen Anwesenden den Funken überspringen lassen, wobei das letzte Lied zeigte, dass der Bremse glücklicherweise die Flüssigkeit fehlte, so dass der Bremsweg verlängert wurde. nachdem das Publikum nach Zugabe-Rufen dem Quartett und Charlie eine Zugabe entlocken konnte.
Mit kurzen Beschreibungen zu den Stücken sorgte Klentze für einen persönlichen Kontakt zum Publikum, der anhielt. So wurde bekannt, dass das Stück: Don´t be so stingy - Sei nicht so geizig - durch die klein aufgezeichneten Akkordsymbole von Klentze dazu führte, dass Mariano ihn witzigerweise als geizig bezeichnete.
Viele Stücke wurden Charlie Mariano gewidmet, neben dem rhythmisch interessanten Werk von Jost-H. Hecker “ Don´t love it “ auch das gleichnamige Werk „Mariano“ des Gitarristen Thorsten Klentze. „Es ist für uns eine große Ehre und Freude mit Charlie Mariano zu spielen “, freute sich Klentze. Jk.


Süddeutsche Zeitung 07.04.05

Harmonische Experimente.

Der Gitarrist Thorsten Klentze präsentiert sein neuestes Produkt in der Unterfahrt.
Der Gilchinger Gitarrist Thorsten Klentze hat sich insgeheim zu einem der großen Lyriker im deutschen Jazz gemausert. Dass sich dies langsam herumspricht, liegt an der Hartnäckigkeit und der Ernsthaftigkeit, mit der er seit mehr als 20 Jahren an seinem Stil feilt. Zug um Zug hat er dabei den Zufall ausgeschlossen: Er wurde Gitarrenlehrer, um über das hinaus zu kommen, was er sich in langen Jahren als Straßenmusiker und im Unterricht bei Michael Sagmeister oder Peter Wölpl angeeignet hatte. Sein Instrument hat er sich vom berühmten Pariser Gitarrenbauer Jean-Pierre Favino fertigen lassen und selbst verfeinert. Ein wundervoll blusiger Ton und eine extreme Dynamik sind das Ergebnis. Zugleich eignete er sich eine Lagentechnik an, mit der er in einer Position alle Tonarten spielen kann, ohne groß rutschen zu müssen,
Vor allem aber hielt Klentze über Jahre ein fein harmonisierendes Quartett zusammen: Mit Jost H. Hecker - Modern String Quartet - am Bass, dem Multiinstrumentalisten Roger Jannotta und Percussionistin Marika Falk tiftelten Gleichgesinnte am kammermusikalischen Ansatz mit Rückgriffen auf die Barockmusik und teilten die Vorliebe für balladeske, atmende Linien, für Experimente mit ungeraden Takten oder Chromatik und für sensibel ausbalancierte Arrangements.
In Treue fest steht Klentze auch zu einigen Musikern, die sein Verständnis für Jazz geprägt haben. Dazu gehören der belgischen Gitarrist Philip Catherine und US-Saxofonist und Münchner Szene-Heros Charlie Mariano, die beide 1978 in dem Konzert spielten, das Klentze sein Schlüsselerlebnis nennt.
Auch der neueste Streich von Klentze wäre ohne die inzwischen 82-jährige Altsaxofon-Legende kaum vorstellbar: Auf der DVD: „ Präludium „ live eingespielt im Jazz Club Werne, ist Mairano mit seinem unvergleichlich melodischen Spiel eine zentrale Figur. Eigentlich wäre das auch am Freitag um 21 Uhr bei der DVD - Präsentation in der Unterfahrt zu erwarten gewesen, doch Mariano musste kurzfristig absagen. Dafür wartet Klentzes Quartett mit einem härteren, jazzigeren Sound auf, denn der Drummer Sascha Gotowtschikow hat inzwischen Percussionistin Marika Falk ersetzt.
OLIVER HOCHKEPPEL.

mailto: info@klentze.de