Konzert Kritik     "Zeitung Isny"
 
Zwischentöne

Das Thorsten Klentze Quartett spielte im Kurhaus am Park und setzt die Reihe >Zwischentöne< jazzig fort.
Der große Saal zeigte sich mit völlig veränderter Optik. Frisch eingezogene glatte Holzsäulen stützten das im Verlauf eines Jahrzehnts etwas müde gewordenen Dach. Zimmermannskunst gab dem Raum eine vom Publikum wohlwollend angenommene fast gemütlich Atmophäre. Das Thorsten Klentze Quartett musizierte bis auf wenige ekstatische Ausbrüche kammermusikalisch sanft, so dass keine überhöhten, das Dach weiter gefährdende Vibrationen auftraten.
Kennen Sie Thorsten Klentze? Seit 1982 ist der Gitarrist und Komponist in der Münchner Jazzszene aktiv. Bekannt wurde er durch die Gruppe > Fisherman´s Break<. Er beherrscht die ganze Bandbreite der akustischen Jazzgitarre. Jetzt präsentiert er in einem wie gesagt sehr persönlichen kammermusikalischen Rahmen hervorragende Musiker.
Roger Jannotta aus Albuquerque zum Beispiel: mit Flöten, Klarinette, Saxo- phon, ein Multiinstrumentalist. Der fantasievolle Komponist fühlt sich in der klassischen Musik genauso zuhause wie im Jazz. Bei den Münchner Kammerspielen arbeitete er an interessanten Projekten mit. >König Lea< zum Beispiel oder >Faust<.-.
Marika Falk spielt Perkussioninstrumente aus aller Welt. Mit atemberaubender Fingerfertigkeit und rhythmischer Präzision.
Fehlt noch der Cellist Jost H. Hecker: Gründungsmitglied des >Modern Jazz Quartett<. Meisterhaft verwendet er das Cello als Zupf-, Streich- und Schlaginstrument, entlockt ihm kantable Melodien, aber auch knauzende und knarrende Geräusche.
Die Musiker fügen sich zum Quartett besonderer Prägung. Das war kein spontanes, ungezügeltes, sich ständig aufheizendes Improvisieren, sondern streng vorgegebene Komposition mit wohl durchdachten Strukturen, mit sorgsam eingeplanten Höhepunkten. Vieles hatte ausgesprochen meditativen Charakter. Bis hin zu einem Weihnachtslied mit dem verwehenden Zitat >Stille Nacht< am Ende.
Freilich es gab auch heiße Momente. Zum Beispiel bei dem Stück >Bremsflüs- sigkeit<, aus dem Stück >Rund um das Auto<. Für solch furiose Höhepunkte sorgte vor allem Jost H. Hecker mit wild dahinfegenden Glissandis. Das Cello stöhnte, bis es wieder mit weichen Tönen zur Ruhe kam.
Das Publikum verhielt sich relativ ruhig. Das Wippen der Füße und das eksta- tische Schütteln der Köpfe blieben weitgehend aus. Es war eben ein kammer- musikalischer Jazzabend. Wie es sich für die Adventszeit gehört.
Isny, F.H.

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